Feb 092013
 

Der Historiker Hugo Schwyzer meint auf Jezebel, derzeit finde ein Krieg gegen die Monogamie statt. Schwyzer erklärt in der Direktheit, die in US-Medien üblich ist, ein solcher Krieg sei Bullshit (Schwachsinn).

Schwyzer erläutert weiter, die zum Teil aggressive Art, mit der Verfechter von nicht-monogamen Lebensformen wie Polyamorie und Polygamie gegen die Monogamie argumentieren, hätten die Verteidiger der Monogamie sich allerdings selbst zuzuschreiben, da sie andere Eheformen diskriminieren.

Schwyzer kommt zu dem Schluss, dass es letztlich den Menschen frei gestellt sein müsste, wie sie ihr Privat- und speziell ihr Eheleben gestalten. Monogamie müsse eine von mehreren Möglichkeiten sein, statt wie bisher die einzig erlaubte und akzeptierte Form.

Anmerkungen zu Hugo Schwyzers These vom Krieg gegen die Monogamie

Vor allem dem Fazit von Schwyzer, Monogamie müsse eine von mehreren Möglichkeiten sein, statt wie bisher die einzig erlaubte und akzeptierte Form, stimme ich zu. So argumentiere ich seit Beginn meines Engagements für Mehrfachbeziehungen, wie sie es in meinen Thesen zu Polygamie und Monogamie nachlesen können.

Schwyzer zitiert einige kürzlich erschienene Artikel aus US-Medien – interessanterweise von Frauen geschrieben – die sich tatsächlich deutlich gegen Monogamie aussprechen. Aber er selbst schränkt ein, dass seine These vom Krieg gegen die Monogamie eventuell etwas alarmistisch klinge, wie man es eher bei Fox News gewöhnt sei. So ganz wohl fühlt Schwyzer sich mit der These vielleicht nicht? In jedem Fall stimme ich dem ebenfalls zu und denke, dass Schwyzer hier um der Schlagzeile willen eine Behauptung aufstellt, die nicht so ganz stimmt.

Wer führt hier Krieg?

Sicher kennt Schwyzer den aktuellen Diskurs in den USA besser, als ich ihn hier aus Deutschland beurteilen kann. Ich sehe allerdings, zumindest in den mir bekannten Büchern und Artikeln keine Anzeichen für einen Krieg gegen die Monogamie.

Ich sehe bei den Verfechtern der Nicht-Monogamie vor allem die Forderung nach Akzeptanz ihrer Lebensweise. Forderungen etwa nach Verboten der Monogamie – wie sie bei Verfechtern der Monogamie üblich und ja derzeit auch Gesetz sind – kenne ich jedenfalls nicht, bin jedoch dankbar für Hinweise (bitte unten kommentieren). Ich kenne derartige Forderungen nicht von denen, die argumentieren, dass Monogamie nicht unserer ursprünglichen Lebensweise entspricht und damit die Probleme zu erklären suchen, welche die meisten Menschen mit der Monogamie haben, wie alle Statistiken zu sexueller Untreue und Scheidungsgründen belegen.

Die aggressive Art, diese Diskussionen zu führen, sehe ich eher bei den Verfechtern der Monogamie. Passendes Beispiel sind die vielen Kommentare zu dem Artikel von Schwyzer, in denen die Befürworter von anderen Formen als Monogamie weitaus toleranter scheinen, während die Verfechter der Monogamie im Ton weitaus aggressiver sind. (Stand 09.02.2013, 16.35 Uhr MEZ: 134 Kommentare)

Letzteres scheint auch leicht verständlich, denn als Menschen, die nach dem bisher in vielen westlichen Gesellschaften vorherrschenden Ideal leben, fühlen sie sich jetzt in der Defensive. Das fördert oft aggressive Argumentationsweise, wie bespielsweise das vor allem von religiös motvierten Gegnern so gern genutzte slippery-slope Argument.

Krieg gegen die Monogamie ist wirklich Schwachsinn – der Krieg gegen Polyamorie und Polygamie ebenso

Ich denke, der Krieg gegen die Monogamie ist tatsächlich Bullshit, zu deutsch: Schwachsinn, denn er ist eine Fiktion.

Aber auch der tatsächlich stattfindende Krieg gegen nicht-monogame Lebensweisen wie Polyamorie und Polygamie ist Schwachsinn. Er darf in Gesellschaften, die auf die Rechte des Individuums gegründet sind, keinen Platz haben.

Dieser Krieg muss aufhören, und Menschen muss die Freiheit gegeben werden, die so persönliche Entscheidung, wie sie ihre Ehe führen wollen, durch freie Wahl aus einem Spektrum an Möglichkeiten selbst zu bestimmen.  So argumentierte unter anderem der bekannte US-Anwalt Jonathan Turley, der Vertreter der Familie Brown bei ihrer Klage gegen das Verbot der Polygamie in Utah.

Auch die Verfechter der Monogamie müssen meiner Meinung nach ein Interesse an der Zulassung anderer Eheformen als der Monogamie haben, denn erst wenn ich frei wählen kann, wird meine Wahl wirklich zur Entscheidung. Ohne Wahlmöglichkeit ist und bleibt Monogamie, was sie in den westlichen Gesellschaften seit Jahrhunderten ist: eine religiös begründete, per Gesetz zur Norm erklärte, uns allen aufgezwungene Lebensweise.

 

Der Artikel von Hugo Schwyzer: The War Against Monogamy is Bullshit

Webseite von Hugo Schwyzer

Hugo Schwyzer auf Twitter: @hugoschwyzer, wo man auch einen interessanten Tweet von Schwyzer an Chris Ryan zu diesem Artikel findet ;-)

Hugo Schwyzer auf Facebook

 

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Stand vom: Sonntag, 11 August, 2013 um 19:33

 


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 Veröffentlicht am: 9. Februar 2013, Stand vom: Sonntag, 11 August, 2013 um 19:33  Posted by  Artikelserie: Gesellschaft  Add comments

  2 Responses to “Gibt es einen Krieg gegen die Monogamie? (Hugo Schwyzer, Jezebel, 08.02.2013)”

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