Monogamie ist der Polyamorie und Polygamie nicht überlegen (Studie, Conley et. al., University of Michigan)

Es gehört zu den Grundüberzeugungen der westlichen Kultur, dass die Monogamie der Polyamorie und Polygamie als Beziehungsform überlegen sei. Eine Studie von Psychologen der Universität Michigan fand keinen Beweis dafür. Die Studie „A Critical Examination of Popular Assumptions about the Benefits and Outcomes of Monogamous Relationships“ kommt zu dem Ergebnis, diese Ansichten seien eine kulturelle Norm, es gebe aber keine wissenschaftliche Basis für diese Annahmen.

Die Autoren, die Psychologieprofessorin Terri D. Conley et.al., verstehen ihre Studie nicht als Emfehlung, dass alle Menschen nicht-monogam leben sollten. Sie stellen aber fest, wie überraschend es sei, dass es für diese Grundüberzeugung der Überlegenheit der seit langer Zeit weit verbreiteten und oft als universal dargestellten Lebensweise Monogamie gegenüber nicht-monogamen Beziehungsformen wie Polyamorie und Polygamie keine Evidenz gibt.

Die Ergebnisse in Stichpunkten

  • Die Überzeugung von der Überlegenheit der Monogamie als Lebensform gegenüber anderen Formen des Zusammenlebens sei eine kulturelle Norm, es gebe aber keine wissenschaftliche Basis für diese Annahme.
  • Es gibt überraschenderweise, auch in der Wissenschaft, keine weltweit geltende Definition von Monogamie: „Probably the most popular definition of the term monogamy in contemporary Western societies is the one used by the Centers for Disease Control (CDC), “mutual monogamy means that you agree to be sexually active with only one person, who has agreed to be sexually active only with you” (2009).“
  • Unter Tieren sei sexuelle Monogamie kaum zu finden, und gerade bei einigen der populärsten Beispiele für angebliche Monogamie im Tierreich, der Prärie-Wühlmaus und dem Schwan, fänden sich zwar soziale Langzeitbeziehungen mit einem Partner, aber bei gleichzeitigem promiskuitiven Sex mit anderen Partnern.
  • Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen litten vor allem daran, dass die Wissenschaftler das monogame Paradigma im Kopf haben.
  • Laut einer 2005 erschienen weltweiten Studie über 48 Nationen sei deutlich, dass Menschen nicht allein für Monogamie entwickelt seien. Nicht-monogame Paarung und Fortpflanzung seien anscheinend die normale Verhaltensweise von Männern und Frauen rund um die Welt, unabhängig von der Kultur.
  • Die meisten Kulturen seien nicht komplett monogam, sondern fänden sich irgendwo in dem Spektrum zwischen den Extremen Monogamie und Promiskuität, wobei sich oft beides in einer Kultur finde.
  • „In sum, lifelong monogamy is not especially common among animals and is relatively rarely practiced by humans.“

Auf dieser Basis werden die einzelnen Bestandteile des Mythos von der Überlegenheit der Monogamie untersucht.

Mythos 1: Ein Leben voll sicherem und exzellentem Sex

Viele Menschen geben in Befragungen an, in monogamen Beziehungen habe man mehr Sex, besseren Sex und sei sicherer vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

In der Realität führt Monogamie nicht zu mehr und besserem Sex als nicht-monogames Verhalten, und es erhöht das Risiko mit sexuellen Störungen diagnostiziert zu werden.

Die Zahlen zur Untreue sprechen auch eine deutliche Sprache, wie wenig der Mythos von der lebenslangen Treue mit der Realität zu tun hat. Dazu finden Sie auch Informationen auf meiner Seite Statistiken.

Es gibt auch keinen Beweis, dass Monogamie am besten vor sexuellen Infektionen schützt; im Gegenteil neigen offiziell monogame Menschen anscheinend eher zu riskantem Verhalten als bewusst nicht-monogame. Das liegt unter anderem daran, dass sie ja offiziell monogam sind und sich deshalb nicht so intensiv mit dem Gedanken befassen, sich bei außerehelichem Sex schützen zu müssen.

Mythos 2: Monogamie führt zu größerer Zufriedenheit und schützt vor Eifersucht

Auch für diese Überzeugung gibt es keinen Beweis. Insbesondere, dass Monogamie zu weniger Eifersucht führe, lässt sich nicht beweisen, es scheint eher das Gegenteil zu stimmen. Eifersucht unter Nicht-monogam lebenden Menschen kommt seltener vor, oder es wird besser damit umgegangen, als unter offiziell monogamen Menschen.

Anders als konventionelle Theorien erwarten lassen, zeigten Studien, dass Menschen in nicht-monogamen Beziehungen ein sicheres, vertrauensvolles Beziehungsverhalten zeigten, statt des erwarteten unsicheren Verhaltens.

Mythos 3: Monogame Familie ist bestes Umfeld für Kinder

Sie ahnen es, auch für diese Annahme gibt es keinen Beweis. Die Forschung zeigt eher, dass die Vorteile und Nachteile ähnlich sind.

Ausnahme: das Thema Untreue und deren Auswirkungen. In offiziell monogamen Beziehungen ist der Schock, wenn einer der Eltern untreu wird und es deswegen zu Streit oder sogar zur Trennung kommt, weitaus größer. Kinder aus solchen Ehen haben oft lange Zeit mit der Verarbeitung des Erlebnisses zu kämpfen und neigen später zu einem nicht von Vertrauen geprägten Beziehungsstil, und sie betrügen auch eher selbst.

Forschung zu nicht-monogamen Beziehungen gibt es noch kaum, aber hier kommt Untreue in dem herkömmlichen Sinne einfach gar nicht oder seltener vor, da ohnehin von vornherein mehr als ein Sexualpartner vorhanden ist. Und nach den vorliegenden Ergebnissen kommen die Kinder in derartigen Familien gut mit der Situation klar. Ausnahme: von anderen werden sie unter Umständen stigmatisiert und diskriminiert.

Stigmatisierung und Diskriminierung von Mehrfachbeziehungen wie Polygamie und Polyamorie

Sie finden auf dieser Webseite zahlreiche Artikel zum Thema, dass polyamore Menschen sich nicht offen zu ihrer Lebensweise bekennen. Die polyamor lebenden Menschen haben auch Grund dazu, denn die wissenschaftliche Evidenz zeigt Stigmatisierung und Diskriminierung gegen Nicht-Monogame. Das geht bis hin zum Jobverlust und zum Kindesentzug durch Gerichte, selbst gegen den Rat der vom Gericht befragten Psychologen.

Und die Vorurteile gegenüber Polygamie sind Gemeingut. Wenn Sie sich davon ein wenig kurieren lassen wollen, dann lesen Sie „Polygamie ist gut„.

Anregung zu mehr Forschung und zur Entwicklung neuer Methoden

Die Autoren der Studie schließen aus ihrer Sichtung der vorliegenden Forschung, dass die Theorien und Methoden der Wissenschaftler bisher auf monogame Lebenweise ausgerichtet sind. Denn sie gilt als Norm und beeinflusst Denken, Methodik und Auswertung. Um nicht-monogame Beziehungen angemessen zu untersuchen, müssen neue Methoden entwickelt werden.

Viele dieser Ergebnisse, die auf diversen eigenen Studien der Autoren sowie einer Sichtung der Forschung beruhen, sind Bestätigungen der Thesen des Buches Sex at Dawn von Christopher Ryan und Cacilda Jethá, das auch in der Literaturliste angegeben ist.

Die Studie im Originaltext

Die vorangegangene Darstellung und Zitate beziehen sich auf: A Critical Examination of Popular Assumptions about the Benefits and Outcomes of Monogamous Relationships. Terri D. Conley, Ali Ziegler, Amy C. Moors, Jes L. Matsick, and Brandon Valentine, University of Michigan, zitiert nach der bei Academia.Edu veröffentlichten Version, mit Stand vom 3.2.2013, die darauf hinweist: This is an accepted article that has been peer-reviewed and approved for publication in Personality and Social Psychology Review but has yet to undergo copy-editing and proof correction.

Es gibt bereits Artikel in englischer Sprache bei Psychology Today von Bella DePaulo, Ph.D, welche die Ergebnisse der Studie zusammenfasst: Are Monogamous Relationships Really Better?, Satisfied? Jealous? On Deciding Not to Be Monogamous, Is Polyamory Bad for the Children? sowie von Deborah Anapol, die seit langem für Polyamorie wirbt, aber in einem Artikel auf die Schwierigkeiten polyamorer Beziehungen hinweist Five Ways Polyamory Can Fail.

 

Weitere Informationen über Polyamorie

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  • Vorurteile über Polyamorie und wie die Dinge wirklich sind.
  • Polyamorie Einführungen mit Hilfestellungen, wie Sie Polyamorie auf Ihre eigene Weise leben können.
  • Polyamorie Wissenschaft mit Ergebnissen aus der Forschung über Polyamorie.
  • Polyamorie Statistiken

  • Weitere Informationen über Polygamie

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    Last updated: Januar 23, 2017 at 21:43 pm

     

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    Viktor Leberecht ist studierter Historiker, sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Er gehört keiner Religion oder weltanschaulichen Gruppe an. Viktor schreibt über Polyamorie und deren eheliche Form, die Polygamie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie zu werben. Viktor lebt seit 2003 in einer polyamoren Beziehung mit einer verheirateten Frau.

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