Ich setze mich auch für Polyamorie ein, mit der manche, denen mein Engagement für die Legalisierung der Polygamie zu weit geht, sich vielleicht eher anfreunden können. Bei Polyamorie einigen sich mehrere Menschen auf eine mit Wissen und Einverständnis aller Beteiligten auf Dauer angelegte Mehrfach-Liebesbeziehung. Einführende Artikel zu dieser Lebensform finden Sie auf meiner Seite „Polyamorie Einführungen„.

In dieser Form ist die Polyamorie seit einigen Jahren bekannt und gerade in letzter Zeit zunehmend in den Medien präsent. Zahlreiche Artikel aus den Medien, die ich immer wieder durch neue Artikel ergänze, finden Sie in meinen Artikelserien.

Polyamorie ist eine moderne Form der Polygamie

Genau genommen ist Polyamorie eine Form der Polygamie, die aber im Unterschied zur polygamen Ehe nicht auf rechtlichen Vorschriften beruht, sondern eine auf rein privaten Absprachen zwischen den Beteiligten basierende Form der Mehrfachbeziehung ist.

Hier werden manche Befürworter der Polyamorie, die sie von Polygamie abgrenzen wollen, widersprechen. Aber wenn ich mich an die in diversen Lexika, nicht zuletzt in Wikipedia zu findende Definition von Polygamie halte, dann schließt diese auch (Beginn Zitat, Stand 14.10.2012, geprüft 23.02.2017) „Duldung von gleichzeitigen eheähnlichen Beziehungen“ ein. Das ist meiner Meinung nach eine Beschreibung von Polyamorie.

Um der unter Polyamorie-Befürwortern üblichen Definition näher zu kommen, könnte man den Begriff “Duldung” durch “bewusstes Eingehen” ersetzten. Aber auch die Definition von Polyamorie auf Wikipedia lautet: (Beginn Zitat, Stand 14.10.2012):“…Oberbegriff für die Praxis, Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen zur gleichen Zeit zu haben. Dies geschieht mit vollem Wissen und Einverständnis aller beteiligten Partner.“ Ich sehe da nur geringe Unterschiede zur Definition von Polygamie.

Klärend ist hierfür der Duden, da er anders als Wikipedia für die deutsche Sprache letztlich maßgeblich ist. Dort wird (Stand 15.9.2015) Polygamie definiert als: “a) (besonders Völkerkunde) Ehe mit mehreren Partnern; Mehrehe, Vielehe, b) Zusammenleben, geschlechtlicher Verkehr mit mehreren Partnern“ (Polygamie im Duden) Da passt b) ganz eindeutig auf die Polyamorie.

Die Wünsche nach Abgrenzung der Polyamorie von Polygamie beruhen, so scheint es mir, vor allem auf dem Wunsch, sich von dem negativ besetzten Begriff Polygamie abzugrenzen, den viele Menschen – salopp ausgedrückt –  gleichsetzen mit „Ein Mann hat viele Frauen, die er unterdrückt“. Das ist jedenfalls meine Quintessenz des Images von Polygamie, wenn ich zusammenfasse, wie üblicherweise in den Medien über Polygamie berichtet wird, und wie es mir in vielen Gesprächen begegnet ist, und wie es auch Oliver Schott in „Lob der offenen Beziehung“ im Kapitel über Polyamorie erläutert.1 Dieses negative Image der Polygamie besteht allerdings zu Unrecht, wie ich auf der Seite „Polygamie ist gut“ erläutere.

Polyamorie – das geht ohne Legalisierung – oder auch nicht.

Viele Polyamorie-Befürworter grenzen sich auch von der Polygamie als einer gesetzlich geregelten Form der Mehrfachbeziehung in Form der Mehrfachehe ab, weil sie den Staat grundsätzlich oder weitgehend aus der Regelung der privaten Beziehungen heraushalten bzw. herausdrängen wollen. Das ist selbstverständlich eine Möglichkeit, und Polyamorie so zu leben, ist bereits heute in den meisten westlichen Staaten möglich.

Nichtsdestoweniger präferieren es viele polyamor lebende Menschen, sich nicht öffentlich dazu zu bekennen, weil Polyamorie trotz aller Tendenzen zu größerer Aufmerksamkeit in den Medien noch immer etwas ist, das nicht wirklich gesellschaftlich anerkannt und akzeptiert ist; ich stelle das beispielsweise dar in dem Artikel „Polyamore Menschen verstecken sich„.

Ich denke daher, dass ein Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung, nach Akzeptanz von Polyamorie als eine normale, zu den in unserer Gesellschaft in Deutschland – und anderswo, sofern andere Länder das wünschen – akzeptierten und offen praktizierbaren Lebensweisen ein Bestandteil des Engagements von Befürwortern der Polyamorie sein muss.

Das muss nicht bis dahin gehen dass für die Polyamorie gesetzliche Regelungen gefunden werden. Aber so wie es Polyamorie-Befürworter gibt, die streng gegen gesetzliche Regelungen sind oder allerhöchstens privatrechtliche Verträge als Möglichkeit akzeptieren wollen, so gibt es auch eine Strömung in der Polyamorie-Bewegung, die nach Möglichkeiten strebt, dass Polyamorie rechtlich abgesichert werden kann oder sogar gesetzlich geregelt wird.

Polyamorie – manche Befürworter wollen doch Legalisierung

Das beste Beispiel für diese Bestrebungen in der Polyamorie-Bewegung waren die Berichte in der Weltpresse im August 2012, dass eine Poly-Triade in Brasilien die notarielle Beglaubigung erreicht hat, siehe mein Artikel mit Links zu diversen Berichten über die „Erste notariell beglaubigte polyamore Beziehung der Welt (August 2012)„.

Der Jubel, der darüber in Polyamorie-Blogs, Foren etc. ausbrach, zeigt meiner Meinung nach deutlich, dass viele polyamor lebende Menschen gerne eine Möglichkeit hätten, für Ihre Lebensweise eine gesellschaftliche Anerkennung in einer vom Staat legalisierten Form zu erhalten. Das ist eine meiner Bestrebungen.

Polygamie oder Polyamorie, oder ein neuer Begriff?

In dem Moment, wenn es um eine staatlich anerkannte Form geht, sind wir bei der Frage nach gesetzlichen Regelungen. Da sind mehrere Wege möglich, und ich denke, sie schließen einander nicht aus. Wir könnten sowohl Wege schaffen, Mehrfachbeziehungen rein privatrechtlich durch Verträge abzusichern, was dann eher dem Konzept der Polyamorie entspräche, als auch polygame Ehen legalisieren. Ich sehe da keinen Widerspruch, sehe nichts, was einander ausschließt. Vielleicht lassen wir uns auch einen neuen Begriff einfallen.

In jedem Fall aber bin ich der Ansicht, dass Möglichkeiten geschaffen werden müssen, Mehrfachbeziehungen in unserer Gesellschaft als gesellschaftlich akzeptierte Lebensform zu leben, da es rund um die Welt Millionen Menschen gibt, die so leben und ein Recht haben, von der Gesellschaft anerkannt zu werden.

Verbot der Mehrfachbeziehung in Deutschland ist ein Verstoß gegen das Grundgesetz

Ich bin darüber hinaus gehend der Ansicht, dass das derzeit bestehende Verbot von Mehrfachbeziehungen als polygame Ehe und ebenso die Unmöglichkeit, polyamoren Beziehungen eine rechtliche Grundlage zu geben, einen Verstoß gegen unsere im Grundgesetz garantierten Grundrechte darstellt. Mehr dazu in meinen Thesen zur Polygamie und Monogamie, speziell in These 1.

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Weitere Informationen über Polyamorie

Wenn Sie nach allgemeinen Informationen zu Polyamorie suchen, dann besuchen Sie am besten den Bereich Polyamorie ist gut. Sie finden dort Informationen, was Polyamorie ist, wie Polyamorie funktioniert, wo Sie andere Polyamorie lebende Menschen treffen können, sowie weitere Themen in diversen Unterbereichen, beispielsweise:
  • Vorurteile über Polyamorie und wie die Dinge wirklich sind.
  • Polyamorie Einführungen mit Hilfestellungen, wie Sie Polyamorie auf Ihre eigene Weise leben können.
  • Polyamorie Wissenschaft mit Ergebnissen aus der Forschung über Polyamorie.
  • Polyamorie Statistiken

  • Weitere Informationen über Polygamie

    Wenn Sie nach allgemeinen Informationen zu Polygamie suchen, dann besuchen Sie am besten den Bereich Polygamie ist gut. Sie finden dort Informationen, was Polygamie ist, wie Polygamie funktioniert, welche Vorurteile es über Polygamie lebende Menschen gibt, sowie weitere Themen in diversen Unterbereichen, beispielsweise:
  • Vorurteile über Polygamie und wie die Dinge wirklich sind.
  • Polygamie Einführungen mit Informationen, was Polygamie ist.
  • Polygamie Wissenschaft mit Ergebnissen aus der Forschung über Polygamie.
  • Polygamie Bücher

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    Last updated: April 9, 2017 at 16:31 pm

    2 Kommentare

    1. Bewusstes Eingehen ist für mich eine verantwortungsbewusste Entscheidung, während ich unter einer Duldung etwas verstehe, auf das ich mich einlasse weil es das kleinere Übel ist (o.Ä.).
      Wenn ich etwas dulde, dann klingt das für mich nicht dannach, das ich ein klares JA dazu haben kann. Sondern das ich etwas „hinnehme“, um nicht …(dies oder das)…zu bewirken. Eine Duldung ist für mich keine freie Entscheidung, sondern eine Entscheidung unter Druck oder aus der Not herraus. Für mich: was ich dulde, das will ich schlussendlich garnicht! Deßhalb finde ich obige Begründung nicht treffend.

      Und ich finde den Vergleich Polygamie-Polyamorie auch sehr hakelig. Denn Polygamie ist nicht die Freiheit, das jeder weitere Partner/innen haben kann, sondern nur einer den Status für sich beanspruchen kann, mehrere Partner/innen zu haben. Seine Partnerinnen entscheiden sich dann dafür, nur mit Ihm (oder seine Partner nur mit Ihr) in Ehe zu sein. Wenn ich dann nun in einem Jahr auch solche Bedürfnisse habe, dann müsste ich die Ehe annulieren (o.Ä.).
      Daran finde ich nicht´s Freiheitsliebendes und nicht´s Erstrebenswertes.

      ein Polyamorer

      • Danke für deinen Beitrag.
        Ich schreibe ja selbst, dass bewusstes Eingehen den Geist der Polyamorie besser träfe.
        Allerdings erscheint mir dein Verständnis zu sehr auf der negativen Seite von „Duldung“. Nehmen wir die Definition im für die deutsche Sprache maßgeblichen Duden, dann sind die Synonyme für Duldung „Anerkennung, Zulassung“. Da ist nichts negatives dabei.
        Und da ich beim Duden bin der Hinweis, dass im Duden die Polygamie definiert wird als “ a) (besonders Völkerkunde) Ehe mit mehreren Partnern; Mehrehe, Vielehe, b) Zusammenleben, geschlechtlicher Verkehr mit mehreren Partnern“ Da passt b) auf Polyamorie.

        Zu deiner Definition von Polygamie, so ist die nicht ganz richtig, da Polygamie in der Form der heterosexuellen Mehrfachehe auch mehrere Männer und mehrere Frauen einschließen kann, nicht nur ein Mann/viele Frauen, oder eine Frau/viele Männer. Und ebenso ist zu bedenken, dass selbst bei letzteren Konstellationen ja die Partner/-innen evtl auch gleichgeschlechtliche Beziehungen untereinander haben können. In Afrika gibt es auch Gesellschaften, in denen es für die Frau ganz normal, d.h. akzeptiert ist, neben dem Ehemann noch Geliebte außerhalb der Ehe zu haben.
        Und letztlich steht hier, auf dieser Webseite, die freiwillig eingegangene Polygamie im Mittelpunkt. Da darf man davon ausgehen, dass die Beteiligten sich darauf einlassen, weil sie so leben wollen, inkl. evtl. Verabredungen zur sexuellen Treue.
        Und übrigens ist es ja auch in polyamoren Beziehungen nicht so, dass einfach jede/r nach Gutdünken Beziehungen mit anderen haben kann; üblicherweise höre und lese ich immer, dass weitere Beziehungen der Zustimmung der Partner bedürfen, sei es in genereller Form und/oder wenn so etwas aktuell wird.
        Vielen Dank erneut für deinen Beitrag, nehme ihn als Anregung, meinen Artikel zu aktualisieren.

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    1. Polyamorie - heikel auch für Journalisten

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